Kontrolliert Lüften

Kontrollierte Wohnungslüftung
Der Luftaustausch in Gebäuden erfolgt nahezu ausschließlich durch Öffnungen in der Gebäudehülle wie Fugen, Ritzen und vor allem Fenster und Türen. Nur ein sehr geringer Anteil des Luftaustausches findet durch Diffusion in Wänden statt. Die Intensität des Luftaustausches ist dabei vor allem von den zufällig herrschenden Wetterverhältnissen (insbesondere Wind und Temperatur) abhängig, sodass in modernen, dicht konstruierten Gebäuden die Gewährleistung eines optimalen Luftwechsels mittels Öffnen und Schließen von Fenstern hohe Anforderungen an die Bewohner stellt.
Im Gegensatz dazu ermöglichen Lüftungsanlagen die Bereitstellung eines hygienisch und energetisch optimalen Luftwechsels, welcher zudem je nach individuellen Bedürfnissen automatisch gesteuert werden kann.
In der Gebäudetechnik wird der Luftaustausch durch die Luftwechselrate beschrieben. Sie gibt an, welcher Anteil der Luft je Stunde erneuert wird. In Wohngebäuden sollte die Luftwechselrate im Mittel ca. 0,5/h betragen und einen Wert von 0,3/h (Grundlüftung) auch bei Abwesenheit der Bewohner nicht unterschreiten. Dies bedeutet, dass ungefähr alle zwei bis drei Stunden die gesamte Raumluft einmal erneuert werden sollte.

Varianten und Bauformen von Lüftungsanlagen
Die folgende Übersicht bezieht sich auf Wohnungslüftungssysteme für Ein- und Mehrfamilienhäuser. Luftheizungen und Kühlung werden hierbei nicht berücksichtigt. Lüftungsanlagen ermöglichen einen einstellbaren bzw. geregelten Luftwechsel und unterscheiden sich damit von der freien Lüftung, welche durch Fenster und Gebäudeundichtigkeiten in Abhängigkeit der aktuellen Wind- und Temperaturverhältnisse erfolgt. Die freie Lüftung bietet keine Möglichkeit der Wärmerückgewinnung oder der Luftbehandlung.

Planungsgrundlagen und bauliche Voraussetzungen
Die wesentliche bauliche Voraussetzung für den Einsatz einer Lüftungsanlage ist eine ausreichend luftdichte Bauweise, da in einem „undichten“ Gebäude durch die unkontrollierten Öffnungen insgesamt ein zu hoher Luftwechsel entstehen würde. Bei Anlagen mit Wärmerückgewinnung würde zu viel Luft am Wärmetauscher vorbeigeführt und die energetische Effizienz dadurch deutlich abnehmen.
In der Praxis wird diese Luftdichtheit eines Gebäudes durch den Blower Door Test nachgewiesen. Im Gebäude wird mittels großer Ventilatoren ein Über- oder Unterdruck mit 50 Pa zum vorherrschenden Luftdruck erzeugt und die dabei einströmende Luftmenge gemessen. Es werden somit auch Windeinflüsse (Windstärke 5) auf das Gebäude simuliert.
Neben der Hauptforderung an die Gebäudedichtheit sind bei der Planung weitere Grundsätze für den Einsatz eines Wohnungslüftungssystems zu beachten:

* Einbau des Wohnungslüftungssystems bereits bei der Gebäudeplanung
berücksichtigen;
* Einhaltung der DIN 1946 Teil 6, Lüftung von Wohnungen;
* Richtige Zuordnung der Zu- und Abluftbereiche sowie die Anordnung der Auslässe beachten, Überströmmöglichkeiten zwischen den Räumen sicherstellen;
* Außenluft- und Fortluftöffnungen mit ausreichendem Abstand platzieren (Vermeidung Kurzschluss), Hauptwindrichtung beachten;
* Küchenabluft (Dunstabzugshauben) nicht ins System einbinden;
* Aufstellung des Lüftungsgerätes wenn möglich in der wärmegedämmten Gebäudehülle;
* bei MFH sollte für jede geschlossene Benutzereinheit ein separates System geplant werden:
* Zugänglichkeit der Filter beachten.

Aufstellungsort des Gerätes
Bei zentralen Geräten von Abluftanlagen oder Be- und Entlüftungsanlagen ist der Standort so zu wählen, dass möglichst kurze Wege für das Luftverteilsystem benötigt werden.
Der Aufstellungsort sollte eben, tragfähig und frostfrei sein. Für Filterwechsel und Wartung muss das Gerät gut zugänglich sein. Vor der Bedienseite des Gerätes sollte mindestens 1m Platz gehalten werden. Durch die Wärmerückgewinnung fällt im Wärmetauscher Kondensat an. Für die Kondensatableitung ist ein frostfreier Anschluss an eine Abwasserleitung erforderlich. In einem Einfamilienhaus bieten sich folgende Standorte zur Installation des Zentralgerätes an:

* im EG oder OG (Diele, Küche, Bad, Hauswirtschaftsraum),
* auf dem Dachboden,

Maßnahmen gegen Körperschall
Für die Geräteaufstellung auf Beton- oder Estrichböden sind keine zusätzlichen Schalldämmmaßnahmen notwendig, da die Geräte in der Regel mit Schwingungsdämpfern versehen sind. Bei einer Aufstellung auf Holzbalkendecken wird eine zusätzliche Entkopplung der Anlage durch eine Betonplatte mit Schwingungsdämpfern empfohlen.

Elektrischer Anschluss
Für das Wohnungslüftungsgerät sollte ein separater elektrischer Anschluss 230V mit Absicherung 16 A und Ausschalter vorhanden sein. Der Anschluss erfolgt am Gerät. Die elektrischen Betriebsmittel müssen nach den einschlägigen VDE-Vorschriften und anerkannten Regeln der Technik ausgeführt werden bzw. diesen entsprechen. Einige Geräte sind schon mit Fernbedienungen ausgestattet. Ggf. müssen die entsprechenden Verbindungsleitungen vorgesehen werden. Bei der Inbetriebnahme sind am Gerät die Zu- und Abluftvolumenströme abzugleichen.

Luftführung im Gebäude
Die Zuluft wird im Wohn- und Schlafbereich möglichst zugfrei und geräuscharm eingebracht. Bei zentralen Geräten werden die Lufteinlässe i. d. R. in den Raumdecken oder in Wänden angeordnet. Alternativ ist die Zuluftführung im Fußboden mit Luftaustritt vor dem Fenster möglich. Zulufteinlässe dürfen nicht von Möbelstücken oder Vorhängen verdeckt werden.
Die Abluft wird aus Küche, Bad und WC sowie ggf. Hauswirtschaftsraum und Ankleide möglichst hoch und nahe an den Quellen möglicher Gerüche abgesaugt. In diesen Räumen herrscht ein geringfügiger Unterdruck, sodass Geruchsübertragungen zu den Wohn- und Schlafräumen ausgeschlossen sind.
Aus dem Wohn- und Schlafbereich muss die Luft über Flure, Dielen und ggf. das Treppenhaus in Küche, Bad, WC nachströmen können. Deshalb sollten Türen unten einen Spalt von ca. 0,8-1,5cm aufweisen oder es sind Überströmelemente einzubauen. Die Zu- und Abluftströme müssen sorgfältig abgeglichen und ausbalanciert werden.

Rohrleitungen und Zubehör
Die Zu- und Abluftleitungen werden vorzugsweise in oder auf Decken und in Installationsschächten verlegt. Wenn diese Möglichkeiten nicht vorhanden sind, stehen spezielle Kanäle für die Verlegung auf Putz zur Verfügung.
Bei der Wahl des Werkstoffes sollte auf die Beschaffenheit der Rohre geachtet werden. Glatte Rohre verhindern Staubansammlungen und vermeiden unnötige Druckverluste. Bei Umlenkungen sollten möglichst große Radien vorgesehen werden, um den Druckabfall des Rohrleitungssystems gering zu halten. Darüber hinaus können schlecht ausgebildete Umlenkungen Strömungsgeräusche verursachen. Runde Rohre haben geringere Druckverluste als Kanäle von gleicher Querschnittsfläche und sollten deshalb bevorzugt eingesetzt werden. Alle Luftleitungen müssen befestigt werden. Für die Montage können Rohrschellen mit Gummieinlagen bzw. Lochbänder verwendet werden. Es sind Möglichkeiten zur Reinigung der Leitungen vorzusehen.

Zu- und Abluftventile
Als Luftdurchlässe für die Zu- und Abluft stehen am Markt eine Vielzahl von Modellen wie z. B. Tellerventile oder Quellauslässe zur Verfügung. Sie sollten die Einstellung des Volumenstroms ermöglichen und sind so zu bemessen, dass eine zugund geräuschfreie Luftführung gewährleistet ist. Zur Reinhaltung von Lüftungsleitungen und Ventilatoren sollten Abluftelemente immer mit Filtern ausgerüstet sein.

Luftschalldämmung
In der Zu- und Abluftleitung ist unmittelbar nach dem Lüftungsgerät jeweils ein Schalldämpfer zu installieren. Die Schallübertragung zwischen Räumen untereinander kann durch den Einsatz von Telefonierschalldämpfern begrenzt werden, z. B. wenn sich zwischen den Räumen nur ein kurzer Abschnitt der Lüftungsleitung befindet.

Außenluftansaugung und Fortluftführung
Je nach baulichen Gegebenheiten und Aufstellungsort des Zentralgerätes können die Durchführungen für die Außenluft bzw. Fortluft im Dach (Flachdach oder Schrägdach) oder in Außenwänden installiert werden.
Die Ansaugöffnung für die Außenluft und die Ausblasöffnung für die Fortluft sollten möglichst weit auseinander liegen und so an der Gebäudefront angeordnet werden, dass keine Vermischung der Luftströme stattfindet. Die Hauptwindrichtung ist zu beachten, wobei die Öffnungen möglichst windabgewandt sein sollten. Die Außenluft ist an einer Stelle zu entnehmen, an der mit möglichst geringen Verunreinigungen zu rechnen ist. Es hat sich als günstig herausgestellt, Außen- und Fortluftöffnungen unter Dachüberständen anzuordnen.

Wärmedämmung und Schutz gegen Kondenswasserbildung
Zur Vermeidung von Wärmeverlusten und insbesondere zum Schutz gegen Kondenswasserbildung sollten Lüftungsleitungen, die durch Kaltbereiche führen, wärmegedämmt werden. Als Dämmmaterial eignen sich Mineral- oder Glaswolle oder Schaummaterialien, welche auch in vorgefertigten Halbschalen zu beziehen sind. Außen- und Fortluftleitungen müssen überdies mit einer dampfdichten Ummantelung versehen werden, um eine Durchfeuchtung der Wärmedämmung zu verhindern. Hier eignen sich geschlossenzellige Dämmmaterialien besonders gut. Die Lüftungsgeräte sind in der Regel serienmäßig wärmegedämmt. Hier sind keine weiteren Maßnahmen erforderlich.

Wartungshinweise
Ein regelmäßiger Filterwechsel durch den Nutzer sollte erfolgen. Hinweise zur Wartung von Lüftungsanlagen können dem BDH-Informationsblatt 14 „Inspektion und Wartung von Heizungsanlagen und dazugehöriger Komponenten/Austausch sicherheitsrelevanter Bauteile“ entnommen werden.

Fazit
Eine Lüftungsanlage ist neben der Wärmedämmung und moderner Heizungstechnik ein notwendiges Element moderner, Energie sparender Gebäude. In weitgehend luftdicht konstruierten Gebäuden sind die Bewohner mit einer optimierten Fensterlüftung zunehmend überfordert. Demgegenüber ermöglichen Lüftungsanlagen einen energetisch und hygienisch optimierten Luftwechsel. Neben der möglichen Energieeinsparung kann durch die kontrollierte Wohnungslüftung vor allem ein gesteigertes Wohlbefinden und ein verbessertes Behaglichkeitsgefühl der Bewohner erreicht werden. Am Markt wird eine Vielzahl ausgereifter Produkte angeboten. Systemanbieter garantieren eine problemlose Anbindung der Lüftungs- an die Heizungsanlage und ein optimales Zusammenspiel der Regelungssysteme.


Quellen
BDH Information Nr. 18
/1/ Ehrenfried, Heinz: Kontrollierte Wohnungslüftung, Verlag Bauwesen Berlin, 2000
/2/ Hartmann, Th.: Bauphysikalische und hygienische Aspekte der Wohnungslüftung, Hermann-Rietschel-Colloquium, Hirschegg, 2000
/3/ Schata, M. und Winkens, A.: Milben- und Schimmelpilzwachstum in Haushalten, Gesellschaft für Allergieforschung mbH, Düsseldorf, 1998
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